Emotionale Stabilität - auch wenn das Leben wackelt
Herausforderungen sind vielfältig und unsere Zeit fühlt sich oft erschreckend instabil an. Auf politischer Ebene, im Beruf, in Partnerschaften, in der Familie, gesellschaftlicher Entwicklung und Zukunft……und, und, und. Genau dann wird es wichtig und gleichzeitig anspruchsvoll: stabil zu bleiben.
Aber was bedeutet das und wie gelingt es, wenn der Boden unter den Füssen zu schwanken beginnt?
Emotionale Stabilität wird oft mit Coolness verwechselt, mit dem Bild einer Person, die kaum Emotionen zeigt. Eine Person, die immer ruhig bleibt, nie aus der Fassung gerät. Doch das wäre emotionaler Stillstand, nicht Stabilität.
Emotionale Stabilität bedeutet nicht, keine oder wenige Emotionen zu erleben. Es bedeutet, in emotional herausfordernden Situationen mit deinen Gefühlen stabil zu bleiben – nicht trotzdem Du fühlst die Angst, die Trauer, die Wut und bist handlungsfähig. Du fühlst dich deinen Gefühlen nicht ausgeliefert. Der entscheidende Unterschied ist, nicht weniger zu fühlen, dich nicht von den Gefühlen mitreissen zu lassen. Menschen, die kaum Gefühle zeigen, wirken nach aussen stabil. Aber du kannst nicht in sie hineinschauen. Du interpretierst nur. Echte emotionale Stabilität ist unsichtbar und gleichzeitig spürbar in der Art, wie jemand mit Krisen umgeht.
Meine Lektion im Hochseilgarten
Sophia, meine kleine Freundin, lud Freundinnen und Freunde in den Hochseilgarten auf der Mainau am Bodensee ein. Ich ging mit ohne nachzudenken. Das «Nicht-Nachdenken» schützte mich auf paradoxe Weise: Hätte ich nachgedacht, hätte ich abgesagt. Mir wäre eine wichtige Erfahrung entgangen.…denn ich hatte Höhenangst.
Die Kinder schwebten fast über die Parcours, leicht, sicher und spielerisch. Ich dagegen merkte ab dem ersten Balken: Hier verliere ich mein stabiles Körpergefühl. Jeder Schritt in luftiger Höhe war wackelig. Mein Körper zog sich zusammen, die Gedanken wurden lauter.
Und genau in diesem Moment begann mein innerer Dialog.
In dem Moment, als ich wackelte, entschied ich mich bewusst: Ich gebe nicht auf und ich werde auch nicht aus dem Parcours gerettet. Diese Entscheidung war die Grundlage für alles, was folgte.
Schritt für Schritt atmete ich bewusst, konzentrierte mich und setzte den Fuss erst auf den nächsten Balken, wenn ich mit mit beiden Füssen stabil fühlte. Das war mühsam und es funktionierte.
Die Themen des Blogs
4 Schritte zur emotionalen Stabilität
Was ich im Hochseilgarten gelernt habe, lässt sich direkt auf das Leben übertragen. Diese vier Schritte haben mir in dieser und in vielen anderen wackeligen Lebenssituationen geholfen.
1. Bewusst atmen – in einen Atemrhythmus gehen Tief und ruhig atmen. Langsamer werden, wenn du ankommen willst. Atem ist dein direkter Zugang zum Nervensystem und der erste Hebel für emotionale Stabilität. Negative Gedanken, Sorgen, Ärger und Ängste können chronischen Stress verursachen. Der Atem unterbricht diesen Kreislauf.
2. Das Ziel fest vor dem inneren Auge behalten Wenn du das Ziel verlierst, verlierst du die die Richtung und mit ihr oft auch die Stabilität. Was willst du erreichen? Was ist dir wichtig? Ein klares inneres Bild wirkt wie ein Anker, wenn alles um dich herum schwankt.
3. Sich der eigenen Kompetenzen bewusst werden In instabilen Momenten neigen wir dazu, alles zu vergessen, was wir können. Dabei ist genau das dein Fundament. Was hast du schon gemeistert? Welche Ressourcen hast du? Deine Kompetenzen sind real, auch wenn sie sich in der Kriese weit entfernt anfühlen.
4. Immer wieder zu sich selbst zurückfinden Das ist der allerwichtigste Schritt: sich wiederfinden. Emotionale Stabilität ist kein Dauerzustand, den du erreichst und behältst. Es ist eine Praxis. Du verlierst dich und findest dich wieder, immer wieder. Darin liegt die wirkliche Stärke.
Dann die Belohnung
Am Ende des Parcours kam die Belohnung und mit ihr ein erleichtertes, entladendes Jubeln. Pure Freude, nicht weil alles leicht war, sondern weil ich durchgegangen bin. Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass eine klare innere Entscheidung den Lebensweg nicht immer vereinfacht. Die Leichtigkeit stellt sich ein, wenn ich die schwierige Phase durchschritten habe.
Der Körper als Schlüssel zur emotionalen Stabilität
Emotionale Stabilität ist keine rein mentale Angelegenheit. Sie lebt im Körper. Dein Körper ist kein passives Gefäss, das Emotionen einfach trägt und er produziert sie, verstärkt sie. Genau deshalb ist Körperwahrnehmung eine der tiefsten Quellen für innere Stabiltität.
Das ist der Kern meiner Arbeit mit FrauenKörperSpuren:
Die Spur zurück zu dir selbst, führt über den Körper. Was im Körper gehalten wird, kann durch und über den Körper wieder losgelassen werden.
„Mein Körper zog sich zusammen. Die Gedanken wurden lauter. Das war kein Versagen, das war mein Nervensystem, das reagierte. Die Frage war jetzt, wer übernimmt das Steuer? „...aus meiner Hochseilgartenerfahrung.
Was dein Körper dir sagt, wenn du zuhörst
Emotionale Instabilität kündigt sich im Körper oft schon an, bevor du es kognitiv verstehst. Ein enger Brustkorb, flacher Atem, ein Ziehen im Magen sind keine Zufälle. Das sind Signale des Nervensystems. Die Frage ist, ob du sie wahrnimmst.
Körpersignale der Instabilität
- Flacher und schneller Atem
- Herzrasen und/oder Taubheitsgefühle
- Magendruck und Übelkeit
- Unruhe in den Beinen
- Enger und schwerer Brustkorb
- Anspannung in Schultern und Kiefer
Körpersignale der Stabilität
- Ruhiger, tiefer Atem
- Weiche Schultern, entspannter Kiefer
- Gefühl von Erdung in den Füssen
- Wärme in Bauch oder Brust
- Weite und Leichtigkeit im Körper
- Klarer Kopf und ruhiger Herzschlag
Vom Kopf in den Körper - konkrete Körperpraktiken
Wenn du emotional ins Schleudern gerätst, hilft kein Denken – es hilft Fühlen und Verankern. Hier sind einige Körperpraktiken, dich ich selbst nutze und die in meiner Coaching-Arbeit immer wirken.
Die Atmung
Atme 4 Sekunden ein, halte 4 Sekunden, atme 6 Sekunden aus.
Diese verlängerte Ausatmung aktiviert den Parasympathikus, den Teil des Nervensystems, der für Ruhe und Erholung zuständig ist. Dein Körper kann gar nicht anders, als sich zu beruhigen.
Die Erdung
Stelle dich barfuss auf den Boden. Spüre bewusst den Kontakt deiner Fusssohlen mit der Erde. Wo drückst du auf? Wie fühlt sich der Boden an? Was nimmst du über deine Füsse vom Boden wahr? Ist der Boden warm, kühl oder kalt? Kannst du jeden einzelnen Zeh am Boden spüren? Stehst du fest auf dem Boden oder eher leicht? Wie ist der Untergrund?
Diese einfache Übung bringt dich aus dem Gedankenkarussell zurück in den gegenwärtigen Moment und in den Körper
Die Verbindung
Schliesse die Augen und wandere mit deiner Aufmerksamkeit langsam durch deinen Körper, von den Füssen bis zum Scheitel. Wenn du kannst, bewerte nicht, nehme nur wahr. Wo ist Spannung? Wo fühlt dein Körper warm an? Wo ist Enge zu spüren?
Die Wahrnehmung und das Spüren deines Körpers lösen die ersten Anspannungen.
Die Berührung
Eine Hand auf das Herz legen, die Arme leicht um sich selbst schlingen, eine warme Dusche sind keine Kleinigkeiten. Selbstberührung aktiviert das Bindungs-Nervensystem und sendet deinem ganzen System das Signal: Ich bin sicher. Ich bin bei mir.
FrauenKörperSpuren – der Kerngedanke
Emotional stabil zu werden, bedeutet nicht, den Körper zu kontrollieren oder zu disziplinieren. Es bedeutet, ihm zu vertrauen und ihm zuzuhören, bevor die Emotion zur Überwältigung wird. Dein Körper ist kein Problem, das gelöst werden muss. Dein Körper ist dein Verbündeter.
Das ist emotionale Stabilität aus dem Körper heraus. Keine Technik, keine Kontrolle, ein echtes gelebtes Vertrauen.
Was der Hochseilgarten dem Körper gelehrt hat
In luftiger Höhe gibt es kein Verstecken. Der Körper reagiert unmittelbar. Kein Denken hilft, wenn die Beine zittern. Aber genau das ist die Chance. Im Körper zu bleiben, anstatt in Gedanken zu flüchten. Den nächsten Schritt zu spüren, bevor man ihn setzt. Das Mit-dem-Körper-gehen statt gegen-in
Emotionale Stabilität im Alltag stärken
Der Hochseilgarten ist ein extremes Bild. Doch viele Alltagssituationen fühlen sich ähnlich an: schwierige Gespräche, unerwartetes Krisen, eine Phase des Übergangs. Die Frage ist nicht, ob du instabil wirst, sondern wie du mit den Situationen umgehst, in denen du dich instabil fühlst.
Emotionale Stabilität entsteht nicht durch das Unterdrücken von Gefühlen. Im Gegenteil, wer Emotionen unterdrückt, spürt sie irgendwann umso stärker. Erlaube dir Emotionen zu fühlen. Angst, Trauer, Wut, Schuld, Scham wollen gefühlt werden. In meinem Coachingalltag erlebe ich immer wieder, dass es wenig Sicherheit gibt, die Emotionen zu fühlen. Jahrelange Verdrängung hinterlässt seine Spuren.
Die Emotionen wahrzunehmen und die Gefühle zu fühlen, führt dazu, die Emotionen zu führen. Das ist eine starke innere Ressource.
Eine weitere innere Ressourcen ist, dich in Situationen wie Sorgen, Gedankenkarussell, negative Gedanken zu fragen „was brauche ich jetzt“. Die Verbindung mit dir selbst kann dich zurückführen in deine Mitte.
Wenn du regelmässig innehalten kannst und dich fragst „wie geht es mir jetzt wirklich“ entwickelt über die Zeit ein feineres Gespür für den eigenen emotionalen Zustand. Das ist keine Nabelschau, das ist die Grundlage für emotionale Reife und Handlungsfähigkeit.
Wenn du das Ziel verlierst, den Atem vergisst, denkst, du bist ganz allein, dann verlierst du die emotionale Stabilität. Dich mit dir selbst Rückzugverbinden, ist der allererste Schritt.
Häufige Fragen zur emotionalen Stabilität
Was bedeutet emotionale Stabilität genau?
Die eigenen Emotionen zu führen, bedeutet emotionale Stabilität. Es bedeutet, sie wahrzunehmen und zu lernen, sich nicht von den Gefühlen überwältigen zu lassen. Das führt zur Ausgeglichenheit und Resilienz.
Kann man emotionale Stabiltät erlernen?
Ja, emotionale Stabilität kann man lernen. Der erste Schritt ist, die Emotionen wahrzunehmen. Ein weiterer Schritt ist, die mit den Emotionen verbundenen Gefühle zu fühlen. Das kann die ersten Male intensiv sein und es ist ratsam, sich durch so einen Prozess professionell begleiten zu lassen. Emotionen, die über Jahre verdrängt wurden, können heftig sein. Wenn du erfahren hast, dass es Emotionen sind, die dich nicht überwältigen, wird es einfacher (das zeigt die Erfahrung) und du lernst, sie wahrzunehmen, und lässt dich nicht überwältigen.
Was sind die ersten Schritte zur emotionalen Stabilität?
Der erste Schritt ist „spüren“. Was löst eine Situation und/oder Person in dir aus? Was fühlst du, wenn eine Situation oder eine Person nicht stimmig ist? Wann fühlst du dich getriggert? Was spürst du in deinen Körper und was denkst du jetzt? Der zweite wichtige Schritt ist, die Emotion nicht auf das Gegenüber und/oder die Situation zu projizieren. Das heisst, nicht „schuldig“ zu sprechen, weder die Situation noch das Gegenüber. Im dritten Schritt lenkst du dich nicht ab. Oder du wirst dir bewusst, was deine Ablenkungsmanöver sind, wenn die Emotion zu stark wird.
Susanne Krauss
Als Transformationscoach begleite ich Frauen, ihren Körper anzunehmen und sich mit sich selbst zu verbinden. Das sind Bausteine für eine gelingende Partnerschaft, berufliche Zufriedenheit und ein gelingendes Leben.
Meine Bitte an dich
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Vielen Dank für deine Unterstützung!
Deine Reflexion - ich freue mich auf dich!
Jetzt gebe ich dir noch einige Fragen zur Selbstreflexion und freue mich auf deinen Kommentar:
Welche Erfahrungen hast du mit emotionaler Stabilität gemacht?
Was sind deine Bewältigungsstrategien in instabilen Momenten?
Was bedeutet für dich Stabilität und wie erlebst du instabile Lebenssituationen?
Gibt es ein Bild oder eine Metapher, die deinen inneren Anker beschreibt?
Bereit für mehr Stabilität? Ich freue mich auf dich und deinen Kommentar.
Von Herzen
Susanne
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