wenn alte Gefühle wieder aufleben

„Das Gefährliche an alten Gefühlen ist, dass sie sich anfühlen wie Heimat, selbst wenn der Ort längst nicht mehr existiert.“

Wann alte Gefühle wieder aufleben

Wir verbrachten mit der Familie die diesjährigen Ferien in der Toskana. Mein halbjähriger Enkel stellte wie die Mitte her in unseren unterschiedlichen Familiensystemen. Es drehte sich alles mal mehr, mal weniger um ihn. Es war eine wunderschöne gemeinsame Zeit und für mich ist es ein Geschenk, diesen kleinen Menschen mit-begleiten zu dürfen auf dem Weg in sein Leben. 

Mit der Geburt meines Enkels erlebe ich meinen Sohn mit seiner Familie sehr verbunden. Er ist ein Vater der neuen Zeit, der eine intensive Bindung zu seinem Sohn aufbaut und lebt. Ich bin stolz auf ihn und meine Schwiegertochter wie schön sie ihrem Kind den Eintritt ins Leben gestalten. Ich erinnere mich an die Jahre mit meinen kleinen Kindern, die ich sehr genossen habe. Die intensive Zeit der Verbundenheit, der körperlichen Berührung, das Gebraucht-Sein und manchmal das Zuviel-Sein.

Doch es schwang da noch ein Gefühl mit, das ich längst überwunden glaubte. Ich spürte die „alte Einsamkeit“.

Um mich herum die Verbundenheit und Nähe…..und doch dieses diffuse Gefühl, das mich hin und wieder einholte. Es bahnte sich in den späten Abendstunden seinen Weg über meinen Bauch in den Magen und in mein Herz und besuchte den Kopf.

Stopp!

Die Gedankenmaschinerie stoppe ich schnell.  Es bringt nichts, den Gedanken Raum zu geben. Meine kreative Fantasie denkt sich Geschichten aus, die in Dramen enden. 

Schon vor Jahren habe ich beschlossen, die Dramen in die Oper zu verlegen und nicht mehr in mein Leben.

So widmete ich mich meinen «alten Gefühlen», die ich längst überwunden glaubte, und begegnete ihnen, wie einer alten Freundin. Ich begrüsste sie, wie eine alte Freundin,  die nach langer Zeit an der Tür klopfte. 

Im Folgenden gehe ich auf dieses Phänomen ein, dass uns immer wieder zu den unterschiedlichsten Zeiten unseres Lebens begegnet.

Wenn das Gestern wieder zum Heute wird, ein Erklärungsversuch

Gefühle werden nicht gelöscht

Wenn du alte Gefühle, alte Programme oder Muster überwindest, sind die alten überlagert. In Stresssituationen können sie wieder aktiviert werden.

Der Körper erinnert ohne Worte

Frühe und intensive Erfahrungen werden gespeichert. Du erinnerst dich nicht an die Geschichte. Du fühlst die Emotionen.

Das Nervensystem bewertet

Frühe Erfahrungen prägen Grundüberzeugungen, wie z. B. "ich bin nicht genug". Du fühlst dich plötzlich klein, obwohl du Erwachsen bist.

Entwicklung verläuft in Spiralen

Manchmal wird ein Thema auf einer tieferen Ebene berührt, weil du stabil genug bist. Alte Emotionen werden of in Situationen von Nähe aktiviert und gefühlt. Frühe Bindungserfahrungen sind aktiv.

Speziell bei Frauen

Bei Frauen kommt oft eine verinnerlichte Bewertung des Körpers hinzu. Wer früh gelernt hat, sich von aussen zu betrachten, verbindet Körperwahrnehmung mit Scham, Kontrolle und Leistung.

Die Chance

Wenn ein altes Gefühl auflebt und du es fühlst, anstatt es zu vermeiden, kannst du seine Bedeutung neu einordnen. Du lernst einen neuen Umgang mit deinen Gefühlen und mit dir selbst.

Die Themen des Blogs

Was zeigt dir dein Körper und was erzählt er dir wirklich?

Gefühle haben ihren Platz in deinem Körper. Unsere Sprache verortet sie. Die Angst sitzt in den Nieren, die Wut im Bauch, der Druck im Magen, die Belastung auf den Schultern, um einige Beispiele zu nennen.

Bevor sich etwas lösen kann, darf es wahrgenommen und gesehen werden. 

Du bist gewohnt, die negativ bewerteten Gefühle in den Keller des Unterbewusstseins zu sperren. Es gab eine Zeit, in der war es wichtig. Es diente deinem Überleben in deiner Familie. Das ist nichts Schlechtes, das ist üblich und geschieht in allen Familiensystemen. Wie sagte Robert Betz in der Ausbildung zur Transformationstherapie: „Ihr seid alle in der besten Gesellschaft“. 

Es sind die negative empfundenen Gefühle, die wir gerne „wegsperren“ und sie suchen sich ihren Platz im Körper. 

Du kennst das sicherlich: Du hörst ein Musikstück und erinnerst dich sofort an einen Lebensmoment. Je nach Erfahrung mit Musik erinnert es dich an einen leichten und unbeschwerten Moment oder einen schweren und leidvollen Moment deines Lebens.

Das passiert auch mit Gerüchen oder in Massagen. Es kann sein in einer Massage löst sich ein „Knotenpunkt“, der dich in eine Lebenssituation versetzt oder weitere Schmerzen auslöst oder auch Erleichterung. 

Was ich dir damit sagen möchte, die Körperwahrnehmung und das Innehalten und für einen Moment in dich hineinspüren, eröffnet dir neue innere Welten.

Es braucht ein bisschen Übung die Sprache des Körpers zu lernen. Aber ganz ehrlich, wie lange braucht es eine Sprache zu lernen? Die  Kontinuität macht die Meisterin. 

Täglich 15 Minuten in den eigenen Körper zu spüren und wahrzunehmen

  • wo fühlt es sich weit an
  • wo spürst du Kälte
  • wo die Wärme
  • wo sitzt die Druckstelle

kann schon der erste Schritt sein, eine kontinuierliche Verbindung mit deinem Körper aufzubauen und seine Sprache zu verstehen.

Woran merkst du, dass die Übung trägt?

Du kannst ein Gefühl benennen und einen Ort im Körper finden, ohne dich dafür zu verurteilen. Das Gefühl hat einen Namen und eine Geschichte.

wenn gefühle wieder aufleben

Deine Schutzstrategien erkennen und unterbrechen!

In dieser Phase ist es sehr wichtig, zu erkennen, was ich automatisch tue und wäre in diesem Moment die Alternative.

Das ist tricky, weil es dich fordert, deine Gewohnheiten zu unterbrechen. Gewohnheiten laufen automatisiert und sind wirklich wunderbar. Wir fahren mit dem Auto, gehen die täglichen Wege….und müssen nicht darüber nachdenken.

Es gibt hinderliche Gewohnheiten, die gilt es jetzt zu unterbrechen.  Das Erkennen allein verändert noch nichts. Zwischen dem Auslöser und deiner Reaktion liegt ein Automatismus, der sich über Jahre eingeschliffen hat. Er hat dich früher geschützt, jetzt hält er dich fest. Es entsteht der Moment der Wahl. 

Es ist der Moment des Innehaltens, Durchatmens, Bewusstwerdens der eigenen Muster.

Du verstehst deine Schutzstrategien, erkennst sie und würdigst sie.

Jetzt hast du die Möglichkeit das Damals vom Heute zu trennen. Du erkennst, welcher innere Anteil gerade spricht und holst die Erwachsenenperspektive dazu.

Diese Pause wird geübt. Atmen, spüren, benennen, bevor du reagierst. Das ist die Technik des Unterbrechens.

Wenn du das über einen Zeitraum praktizierst, dann verändert sich deine innere Sprache. Aus der inneren Kritikerin wird eine Stimme, die dich hält.

Die Gefühle dürfen durchziehen, du lernst, sie zu fühlen, ohne dass sie dein Handeln bestimmen.

In dieser Phase können typische Widerstände auftauchen:

  • Der Gedanke, schwach zu sein, kann auftauchen, wenn du nicht funktionierst
  • die Angst, die Kontrolle zu verlieren
  • In alte Muster zurückzufallen, besonders unter Stress. Das gehört dazu und sind die Lernmomente. Ich versichere dir, es passiert.

Woran merkst du, dass die Übung trägt?

Du merkst das Muster, indem es passiert, und nicht erst danach. Du hast einen Moment Abstand, indem du wählen kannst.

emotionale Stabilität
Gerne begleite ich dich persönlich auf deinem Weg verbunden mit dir. Ich biete dir ein kostenfreies Gespräch an:
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Wie wird das Neue zu deinem Alltag, auch wenn es schwierig wird?

Neue Erfahrungen brauchen Wiederholung und Kontinuität, bis der Körper sie als sicher speichert. Das ist die Phase, in der die Körpergeschichte neu geschrieben wird. Sie macht das Gelernte belastbar, auch wenn der Alltag dazwischenkommt.

Das Innehalten und Spüren wird im Alltag erprobt. Das Neue bekommt einen Platz in deinem Leben. Du bist dir bewusst, dass „alte Gefühle“ wieder aufleben können und erfährst es als natürlichen Teil deines Lebens.

Du kannst eine Routine entwickeln, die alten Gefühle zu begrüssen. Du kannst wirklich innerlich mit den ollen Kamellen-Gefühlen reden: „Ah da bist du ja wieder. Ich kenne dich doch. Danke für deinen Besuch“.

Manchmal bleiben sie, manchmal ziehen sie weiter.

Es ist wichtig, die Gefühle nicht zu bekämpfen, sie nicht weg haben zu wollen, sie zu fühlen und weiterziehen zu lassen. 

Es ist ein Kampf gegen dich selbst, mit dem du dir immer bestätigst „Ich bin falsch“.

In der Annahme, nimmst du dich an.

Typische Widerstände in dieser Phase sind:

  • Der Gedanke „es ist zu schön, um wahr zu sein“
  • Misstrauen gegen Ruhe und Leichtigkeit
  • Zweifel, ob das Neue hält

Woran merkst du, dass die Übung trägt?

Alte Gefühle kommen noch, aber du erschrickst nicht mehr. Du erkennst sie, hältst dich und findest zu dir zurück.

Körperreise

Wenn alte Gefühle aufleben, bist du nicht zurück gefallen!

Du hast viel getan, viel an dir gearbeitet, du hast hingeschaut, Muster erkannt, dich weiter entwickelt.  Gefühle wie Scham, der Gedanke „nicht zu genügen, der Impuls „dich zu verstecken“ ….und dann sind sie plötzlich wieder da. 

Wenn das passiert, dann präge dir ein „du bist nicht zurückgefallen“. Die Gefühle sind nicht zurückgekommen, um dich zu stürzen. Sie sind gekommen, dass du liebevoll mit dir umgehst. Sie  annimmst, fühlst und sie weiterziehen lässt. Das Festhalten an alten Situationen mit den verbundenen Gefühlen erzeugt den Schmerz.

Das „Loslassen“ ist ein grosses und oft verwendetes Wort. Mir gefällt die Vorstellung, etwas anzunehmen. Wenn du ein Gefühl ganz angenommen und akzeptiert und als dir zugehörig erkannt hast, ist das die Annahme. Die wunderbare Erfahrung, die ich machen durfte. Mit der Annahme geschah das Loslassen, wie von selbst. Das Gefühl verabschiedete sich….ja und kommt vielleicht irgendwann wieder….😉 

Danke, dass du zu Ende gelesen hast. 

Herzallerliebst 

Susanne

 

Susanne Krauss

Transformationscoach – Bloggerin – Seminare

Mit FrauenKörperspuren begleite ich Frauen auf ihrem Weg, ihren Körper anzunehmen, hin zu mehr Vitalität und Lebensfreude. Es macht mir sehr viel Freude, zu schreiben und anzuregen. Die Tipps sind alltagstauglich, selbst ausprobiert. Ich mag’s praktisch, einfach und vor allem wirkungsvoll.

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